28. 05. 2012
Seite drucken
Premiere für Konjunkturbarometer Rheinland
Im Zuge der zurückliegenden Debatten um die Metropolregion Rheinland, die nach Jahren des Stillstands endlich auch in den beiden größten Kommunen der Region – Köln und Düsseldorf – wieder geführt wird, haben die Industrie- und Handelskammern IHK der Region einen weiteren Impuls gegeben. "Konjunkturbarometer Rheinland", so lautet der Name des 16-seitigen Werkes, in dem in einem ersten Schritt die Daten der IHK-Konjunkturumfragen gewichtet und auf Branchen heruntergebrochen für die Region dargestellt werden. Auch wenn der Inhalt des Barometers angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise und den Auswirkungen für die exportorientierte Industrie in der Region eher negativ sind. Beide IHK-Verantwortlichen sehen die gemeinsame Initiative als Schritt in Richtung Institutionalisierung einer Metropolregion. "Das Rheinland ist der einzige Ballungsraum in Deutschland, der sich bislang gar nicht als Metropolregion organisiert hat", räumte der Düsseldorfer IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Udo Siepmann ein. "Wir hatten in der Vergangenheit ein kompliziertes Verhältnis zwischen Köln und Düsseldorf. Eigentlich müssten beide Städte auf Augenhöhe an der Spitze der Bewegung stehen", ergänzte sein Kölner Kollege Dr. Herbert Ferger.
Abwärtsstrudel trotz positiver Teilaspekte
Mit einer einzigen Ausnahme brachte die letzte IHK-Konjunkturumfrage von Anfang 2009 eine deutliche Verschlechterung des Gesamtindexes zu Tage. "Mehr als die Hälfte der für das Konjunkturbarometer befragten Unternehmen befürchtet, dass sich ihre Geschäfte im Jahresverlauf verschlechtern", fasste Ferger die Ergebnisse der gewichteten Umfragen aller fünf beteiligten IHKs zusammen. Insgesamt umfasst das Konjunkturbarometer damit rund 2400 Unternehmen mit insgesamt rund 270.000 Beschäftigten. Weil die Unternehmen der beteiligten Kammerbezirke eine um vier Prozentpunkte höhere Exportquote haben, fällt das Ergebnis angesichts des weltweiten Nachfrageeinbruchs auch entsprechend ab. Erstmals fiel die konjunkturelle Entwicklung im Rheinland unter die des gesamten Landesdurchschnitts. Die Definition der Region Rheinland ist übrigens keineswegs festgelegt. "Jeder, der mitmachen möchte, ist herzlich eingeladen", so Ferger. Die Geschäftsführung der IHK-Initiative wird alle zwei Jahre zwischen den Kammern in Köln und Düsseldorf abgewechselt. Neben den beiden Großstädten sind auch die Kammern in Bonn, Aachen und Krefeld Teil der Initiative. Das Barometer soll zukünftig zwei Mal pro Jahr erscheinen.
Automotive und konsumferne Chemieindustrie am härtesten getroffen
Innerhalb der verschiedenen Branchen sind es vor allem die auf Fahrzeugbau und Zulieferung spezialisierten Betriebe des metall- und kunststoffverarbeitenden Gewerbes, die unter der Krise zu leiden haben. Sie zogen die Branchenindices entsprechend nach unten. Demgegenüber mutierten die bisherigen Sorgenkinder Bauwirtschaft und Einzelhandel inzwischen fast zu Hoffnungsträgern, auch wenn die aktuellen Umfragewerte aus diesen Branchen nicht gerade Anlass zu Euphorie geben. "Wir dürfen nicht vergessen, dass sich einige Indikatoren positiv entwickelt haben", erklärte Siepmann. Der Preissturt bei einigen wichtigen Rohsstoffen, insbesondere beim Rohöl, führte zu Entlastungen in Milliardenhöhe. Davon könnte der Einzelhandel profitieren, aber auch hier hat sich die Zahl der Skeptiker in der vergangenen Konjunkturumfrage deutlich erhöht. Die Inflation sank nach 3,3 Prozent Mitte 2008 auf zuletzt unter ein Prozent, die Zinsen sind gesenkt (auch wenn der Verbraucher davon bislang wenig spürt) und die Krise hatte zumindest bislang kaum Einfluss auf die Einkommenskreisläufe, so Siepmann weiter. Schließlich hat sich auch der Wechselkurs des Euro zum Dollar positiv entwickelt und die Maßnahmen des ersten und vor allem zweiten Konjunkturpaket sind erst in Ansätzen sichtbar. Strahlender Gewinner der letzten Umfrage und damit unangefochtener Branchenprimus ist die Gesundheitswirtschaft. Auch wenn die letzte Gesundheitsreform zu Unsicherheiten führt, zeigen die befragten Unternehmen der Region als einzige aller untersuchten Branchen steigende Indexwerte sowohl bei der Beurteilung der Lage als auch bei der Erwartung für die kommenden sechs Monate.
Einziges Manko der Erstausgabe des Konjunkturbarometer bleibt allerdings das Fehlen belastbarer Zahlen zum Beispiel zur Anzahl der Beschäftigten in den Branchen und Regionen. "Uns fehlen die harten Fakten", räumte denn auch der Kölner IHK-Volkswirtschaftsexperte Dr. Matthias Mainz ein. Ansonsten gebe es allerdings ein hohes Maß an Homogenität der zur Verfügung stehenden Zahlen. Alle Beteiligten sehen die Initiative als Weg, sich endlich auch als Metropolregion nach außen zu präsentieren. Die Kommunikation entsprechender Wettbewerbsvorteile, gemeinsame Initiativen mit Kommunen und anderen politischen Akteuren bis hin zu zukünftigen gemeinsamen Messeauftritten stehen dabei im Blickpunkt der Betrachtung. An Themen mangelt es den Beteiligten nicht, wie Siepmann und Ferger ausführten. Und trotz Standortkonkurrenz der einzelnen Städte untereinander macht ein gemeinsames Auftreten als Region Sinn. "Mit der Darstellung als Metropolregion können wir besser auf potenzielle Investoren zugehen. Entscheidet sich ein solcher Investor für die Region als Standort seiner Geschäftsaktivitäten, geht der Wettbewerb der Städte erst richtig los. Und dieser Wettbewerb wird bleiben", beschreibt Ferger den Ansatz.

























