28. 05. 2012
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Wirtschaft in NRW boomt - BVMW mahnt Maßnahmen gegen Fachkräftemangel an
Er liegt im Mai 2007 bei 109,5 Punkten und damit nur 0,6 Punkte unter
seinem historischen Höchstwert von 110,1 aus dem Vormonat. Damit ist
die Stimmung in der gewerblichen Wirtschaft Nordrhein-Westfalens sogar
noch etwas optimistischer als im Bundesgebiet insgesamt, wie das
Landeswirtschaftsministerium in einer Stellungnahme betonte. Im
Bundesdurchschnitt wurde im Mai ein Index von 108,6 Punkten ermittelt.
Ursache dafür ist die merklich bessere Beurteilung der gegenwärtigen
Geschäftslage in NRW mit 116,3 Punkten gegenüber 112,5 Punkt beim Bund.
Die Erwartungen sind mit 103,1 Punkten ebenfalls positiv, liegen aber
leicht hinter dem Bund mit 104,8 Punkten zurück.
Das sind die wesentlichen Ergebnisse des „NRW.Bank.ifo-Index“, die
Wirtschaftsministerin Christa Thoben und der Vorstandsvorsitzende der
NRW.BANK, Dr. Ulrich Schröder am heutigen Montag der Öffentlichkeit
vorgestellt haben. Ermittelt wird der Index vom Münchener ifo Institut
im Auftrag der NRW.BANK. Er ist mit den Daten des bundesweit erhobenen
ifo Geschäftsklima-Index Deutschland direkt vergleichbar. „Die
NRW-Wirtschaft boomt, alle verfügbaren Indikatoren sprechen dafür, dass
dies in den kommenden Monaten so bleibt und möglicherweise sogar noch
besser wird“, betonte NRW-Wirtschaftsministerin Thoben. So wirke sich
die positive Wirtschaftsentwicklung mittlerweile auch nachhaltig auf
den Arbeitsmarkt aus, dabei steigt die Beschäftigung deutlich an,
während die Arbeitslosigkeit spürbar zurückgehe. Vor allem der Rückgang
der Erwerbslosenzahlen sei seit Mai 2006 mit wachsender Dynamik zu
beobachten, hieß es aus Düsseldorf weiter. Betrug im Mai 2006 der
Rückgang gegenüber dem Vorjahresmonat nur 0,4 Prozent, so waren es im
Mai 2007 bereits 16,4 Prozent, erklärte Thoben weiter. In absoluten
Zahlen sei dies ein Rückgang von etwas über 170.000 Arbeitslosen.
Steigende Volumina bei Förderkrediten und volle Auftragsbücher
Auch die Förderdaten der NRW.BANK belegen die dynamische Entwicklung
der Wirtschaft im Lande: „Das Zusagevolumen in den ersten fünf Monaten
konnte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um insgesamt 15,3 Prozent
gesteigert werden“, erklärte Dr. Ulrich Schröder. Beim wichtigsten
Produkt für die Wirtschaftsförderung, dem NRW.Bank.Mittelstandskredit,
konnte das Zusagevolumen sogar mehr als verdoppelt werden. Untermauert
werden die Ergebnisse des NRW.Bank.ifo-Index durch alle anderen
verfügbaren Konjunkturdaten: So sind die Auftragseingänge in der
Industrie in den letzten sechs Monaten um 7,1 Prozent gestiegen, am
aktuellen Rand – im April – lag der Zuwachs sogar im zweistelligen
Bereich bei elf Prozent. Besonders dynamisch entwickelte sich dabei die
Nachfrage nach Investitionsgütern; hier lag das Plus in den letzten
sechs Monaten bei 10,4 Prozent, im April bei 16 Prozent. Dabei kommt
die zusätzliche Nachfrage sowohl aus dem Ausland (+11,9 Prozent) als
auch aus dem Inland (+10,2 Prozent). Das zeigt, dass die Konjunktur auf
die Binnennachfrage übergesprungen ist und auf einem breiten Fundament
steht, so das Fazit des NRW.Bank-Chefs.
Vor allem im Produktionsbereich sorgen volle Auftragsbücher für
Hochstimmung. In den letzten sechs Monaten ist die Industrieproduktion
um 7,5 Prozent gestiegen. Die Produktion von Vorleistungsgütern – ein
Frühindikator der konjunkturellen Entwicklung – stieg um 9,4 Prozent,
die von Investitionsgütern um 8,7 Prozent. Die Umsätze in der Industrie
sind in den letzten drei Monaten (wegen Umstellungen in der Statistik
liegen Halbjahreszahlen noch nicht vor) um elf Prozent gestiegen. Die
Kapazitätsauslastung in der Industrie des Landes beträgt derzeit 87
Prozent. Das unterstreicht die Notwendigkeit für
Erweiterungsinvestitionen. Im gewerblichen und industriellen Bau –
einem weiteren Frühindikator der Konjunktur – stiegen die
Auftragseingänge in den ersten vier Monaten dieses Jahres um 16,6
Prozent. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist im
Vorjahresvergleich um 105.000 oder um 1,9 Prozent gestiegen.
Fachkräftemangel bedroht Konjunkturaufschwung
Auch der Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft (BVMW) sieht
die Konjunktur derzeit auf einem erfreulich hohen Niveau. Ein noch
stärkeres Wachstum werde allerdings durch einen Mangel an Fachkräften
verhindert. "NRW profitiert vom Aufschwung. Aber es gibt keinen Grund,
sich zurückzulehnen. Einen dauerhaften Aufschwung erreichen wir nur,
wenn jetzt dem Fachkräftemangel entgegengewirkt wird", erklärte Herbert
Schulte in Düsseldorf. So bestätigte der in der vergangenen Woche
veröffentlichte Technologiebericht des Bundesbildungsministerium, dass
schon heute einigen Branchen nicht mehr genügend Fachkräfte mit
Uni-Abschluss zur Verfügung stünden.
Die Vorschläge des BVMW beziehen sich nicht nur auf die Ausbildung
Jugendlicher, sondern setzen auch auf die Weiterbildung Erwachsener.
Dazu gehören u.a. Weiterbildungsschecks von Universitäten für
Akademiker, deren Uni-Abschluss mehr als fünf Jahre zurückliegt. Als
Vorbild könnte das erfolgreiche Bildungsscheck-Modell des
NRW-Arbeitsministeriums dienen. Weiterhin fordert der Verband die
einjährige Berufsausbildung für Erwachsene, die bereits eine Ausbildung
in einem anderen Berufszweig absolviert haben. Beide Maßnahmen sollten
noch in diesem Jahr gemeinsam von Mittelstand, Bildungseinrichtungen
und Politik umgesetzt werden.
Der ifo Geschäftsklima-Index wird seit 1971 erhoben. Befragt werden
rund 7000 Unternehmen jeweils zur Beurteilung der aktuellen
Geschäftslage und zu den Geschäftserwartungen. Aus den so gewonnenen
Daten wird der Klimaindex gebildet. Die landesweite Auswertung erfolgte
erstmals für den Mai 2007, befragt werden 1060 NRW-Unternehmen. Der
NRW.BANK.ifo-Index soll zukünftig in monatlichen Abständen
veröffentlicht werden.

























