Wetter


Webtipps:
Ratgeber für Aktien können das Risiko in Grenzen halten.

Boersen News





Köln Nachrichten Neu


zum Archiv ->

Köln Nachrichten bei Twitter





27. 05. 2012
Seite drucken

Kölnmesse: Trotz gestiegener Verluste Zuversicht


20.07.2011 16:20 von:

Schlagwörter: Köln,Kölnmesse,Messeheschäft,2011,Geschäftsjahr,Böse,Roters,Messehallen,Landgeri

Im vergangenen Geschäftsjahr 2010 hat die Kölnmesse GmbH so viel Umsatz erwirtschaftet wie nie zuvor in ihrer mehr als 80-jährigen Geschichte. Allerdings wies das Unternehmen einen Jahresfehlbetrag in Höhe von 34,1 Millionen Euro aus, rund 14 Millionen Euro mehr als ein Jahr zuvor. Nur durch Entnahme aus dem Eigenkapital des Unternehmens konnte das Minus halbwegs erträglich und unter dem offiziell ausgewiesenen Vorjahresbetrag gehalten werden. Am heutigen Mittwoch präsentierte die Messegesellschaft ihren Geschäftsbericht im 13. Stock des Messehochhauses und gab sich optimistisch mit ernsthafter Attitüde. "Die Messe ist auf einem guten Weg, gleichwohl gibt es Handlungsbedarf”, brachte das der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Kölnmesse, Oberbürgermeister Jürgen Roters,auf den Punkt. Dass Kölnmesse und die Millionenstadt am Rhein weit mehr verbindet als die direkte Blickbeziehung zwischen Dom und Messehochhaus, zeigt sich zuletzt bei der Möbel- und Einrichtungsmesse immCologne. Dieses und weitere Beispiele zeigen, wie sich die Verantwortlichen die sinnvolle Verknüpfung von Fachmesse und Stadtleben vorstellen. Bei den bevorstehenden Messen Gamescom (mit einer Art "wiederbelebten Ringfest”) oder die Anuga mit den Gourmetwochen soll diese Anbindung des Messegeschehens in die Stadt und damit zu den Menschen dieser Stadt erneut exerziert werden.

Darüber hinaus generiert die Messe jedes Jahr Umsätze in Höhe von rund einer Milliarde Euro. 44.000 ausstellende Unternehmen haben in den Hallen ihre Produkte und Dienstleistungen angeboten, rund 2,5 Millionen Besucher schauten sich das an. Mit 86 Veranstaltungen in Köln und einem regelrechten Sprung bei den Veranstaltungen im Kongresszentrum habe man auch die Zahl der Veranstaltungen maßgeblich erhöhen können, wie die Verantwortlichen betonten.

Wirtschaftliche Situation derzeit unbefriedigend

Doch auch die optimistischen Ausführungen der beiden Spitzen von Aufsichtsrat und Vorstand (Gerald Böse) konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Luft bei der Kölnmesse dünn wird. Erst im vergangenen Jahr musste die Stadt mit einer 50 Millionen Kreditlinie als Bürge einspringen. Schon Ende 2012 werde der nächste Engpass zu überbrücken sein. Das Management prüft derzeit, ob man sich die dann notwendigen liquiden Mittel über den Kapitalmarkt oder anderweitig besorgt. Zwar wies das offizielle operative Ergebnis lediglich ein Minus von 11,5 Millionen Euro aus. Auch der Bilanzverlust war mit minus 12,8 Millionen Euro deutlich geringer als ursprünglich geplant. Allerdings wurden dazu auch Mittel aus den eigenen Rücklagen entnommen. Der Jahresfehlbetrag der Kölnmesse lag 2010 bei 34,1 Millionen Euro. Insgesamt entnahm die Messegesellschaft zum Ausgleich des Bilanzverlustes sogar 52,2 Millionen aus der Kapitalrücklage. Folgerichtig sank das ausgewiesene Eigenkapital um fast 34 auf nun 108,6 Millionen Euro. Mit einer Eigenkapitalquote von 43,5 Prozent (Vorjahr: 47,7 Prozent) stehe man aber noch immer ganz gut da, auch im Vergleich mit anderen Messegesellschaften.

Konsolidierung und der schwierige Weg zurück in die Gewinnzone

Trotzdem hatten die Verantwortlichen bereits im April eine weitere Reißleine. Nachdem im Rahmen des ersten Kostensenkungsprogramms bereits 80 Stellen abgebaut wurden (zehn bis 15 sind derzeit noch in der Umsetzung) will man sich nun auf die Senkung der Sachkosten konzentrieren. Die sollen bereits in diesem Jahr zu Ensparungen in Höhe von drei, ab dem Jahr 2015 sogar von rund zwölf Millionen Euro jährlich führen. Diese Voraben und Prognosen hängen jedoch von einer Fortsetzung der derzeit recht stabilen Weltkonjunktur ab, wie Messechef Gerald Böse einräumte. Auch der Vorsitzende der Geschäftsleitung ist sich der Tragweite der neuerlichen Sparrunde bewusst. "Wir muten unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Höchsmaß an Veränderungen zu”, so Böse. Neben dem Abbau von Personal, der Senkung von Sachkosten und organisatorischen Veränderungen wie beispielsweise der Integration mehrerer Tochtergesellschaften und der (bereits erfolgten) Verkleinerung der Geschäftsführung von fünf auf drei Personen sollen zusätzlich neue Messen etbaliert und das Auslandsgeschäft forciert werden. Bereits 2013 will man zurück in die Gewinnzone und – genau so wichtig – dort auch bleiben.

Zuversicht bei der Auseinandersetzung mit eigentümer der Nordhallen

Auch wenn die Entscheidung des Kölner Landgericht weiter aussteht, gaben sich Roters und Böse zuversichtlich, dass die derzeit noch zu verbuchenden 22,7 Millionen Euro an Mietzinsen (davon zwei Millionen Euro für das Kongresszentrum) deutlich und nachhaltig reduziert werden. Ausgelöst durch die Einschätzung der Brüsseler EU-Kommission, das Geschäft mit dem Oppenheim-Esch-Fonds verstoße gegen europäisches Vergaberecht, hat inzwischen zu einer Interimslösung geführt. Statt 20,7 zahlt die Stadt derzeit eine Nutzungsentschädigung in Höhe von rund 15 Millionen Euro. Im August 2010 hatte man den Eigentümern der Grundstücks- und Objektgesellschaft lediglich 900.000 Euro im Monat überwiesen. In dem derzeit laufenden "Urkundenprozess” hatte das Landgericht bereits durchblicken lassen, dass die Richter die Rechtsposition der Stadt wohlwollend betrachten. Das Urteil in der Sache steht allerdings noch aus, ebenso die Frage, ob die Eigentümer im Falle einer Niederlage weitere Rechtsmittel gegen die Mietkürzung einlegen. Rechnet man die Differenz zwischen ursprünglicher Miete und Nutzungsentschädigung, bleibt allerdings immer noch ein deutliches Minus von mehr als sechs Millionen Euro. Langfristig aber rechnen die Veranwortlichen mit einer dauerhaften Entlastung.

Mit neuem Mut und neuen Messen zu neuer Stärke

Die Zuversicht der Verantwortlichen – trotz der roten Vorzeichen – begründeten sie mit einigen Highlights der kommenden Zeit. So wird im kommenden Jahr die Fitnessmesse FIBO von Essen zurück nach Köln kommen. Mit der Usetec und einem Dutzend weiterer Premieren in Zukuntsfeldern will man das Messegeschäft am Standort Köln weiter ausbauen. Darüber hinaus zeigen die Messeveranstaltungen des ersten Halbjahres einen deutlichen Wachstumstrend, im Durchschnitt rechnen die Verantwortlichen mit einem Plus von sechs Prozent. Einen weiteren, wichtigen Impuls erhofft sich das Management der Kölnmesse vom Auslandsgeschäft. Derzeit trägt es mit rund sechs Prozent am Gesamtumsatz bei, auf mittlere Sicht sollen daraus zehn bis 15 Prozent werden. Nach Aussage von Messechef Böse liegt der relativ geringe Anteil an der Entscheidung, erst im Jahr 2002 gegen die bereits etablierte Konkurrenz deutscher und internationaler Messegesellschaften anzutreten. Dies und viele andere Entscheidungen hatten Roters und Böse als heute maßgebliche Protagonisten jedoch nicht zu verantworten, wie beide mit einem Augenzwinkern durchblicken ließen. Trotzdem müssen sie das Schiff Kölnmesse wieder auf Kurs bringen. "Wir stellen uns neu auf”, formulierte Messechef Böse. "Das wird keine Schönwetter-Veranstaltung”, ergänzte Aufsichtsratschef Roters.







Artikel Service



Köln Nachrichten - das topaktuelle Newsportal fü Köln und die Region
Köln Nachrichten - developed with TYPO3 by beuse und beuse